Neue Löcher braucht das Land?

Neue Information Proteste gegen Gasuntersuchungen

Die Fraktion und der Vorstand der SPD Grasberg zusammen haben einen Brief an Ministerpräsident Stephan Weil und Generalsekretät Lars Klingbeil geschrieben. Anlass war der Besuch einer Delegation von NoMoorGas, denen in Hannover dann mitgeteilt wurde, dass die Erdgassuche weiter geplant ist. In dem Brief wurde die Landesregierung Niedersachsen aufgefordert, sich von der Gasförderung zu distanzieren mit dem Hinweis auf die dichte Besiedelung in Bremen  und Umgebung und dass in der Bevölkerung kaum Zustimmung für die Untersuchung festzustellen ist.

Die SPD Grasberg unterstützt die Organisation NoMoorGas in ihrem Bestreben, keine Untersuchungsmessungen diesbezüglich in der Region durchzuführen.

Hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung:

Die Bestrebungen der DEA (seit 1. Mai 2019 Wintershall Dea) sind Teil der aktuellen Pläne der Erdöl/Erdgas Industrie, die Förderung fossiler Brennstoffe in den Landkreisen Osterholz, Verden, Rotenburg, Diepholz, dem Heidekreis und Bremen auszuweiten. Macht das Sinn? Neue Löcher braucht das Land? Hierbei geht es nicht nur um die drohenden Folgen, wie z.B. Erdbeben oder Gefahren für Trinkwasser, Gesundheit, Natur und Umwelt. Angesichts der kaum noch abzuwendenden drastischen Auswirkungen des Klimawandels stellt sich die Frage: Muss die Erdgasförderung in Niedersachsen wirklich ausgeweitet werden? So wurde Anfang des Jahres 2019 die Information verbreitet, die Niederländer würden ihre Gasförderung im eigenen Land größtenteils einstellen. Weiter haben in jüngster Vergangenheit Gasförderungen in unserer Region gezeigt, dass Unfälle durch austretendes Lagerstättenwasser nicht zu vermeiden ist.

Öffentliche Veranstaltungen seit 2018 durch die Organisation NoMoorGas nicht nur in Grasberg haben eindeutig gezeigt, dass das Interesse der hiesigen Bevölkerung an diesem Thema sehr groß ist und die überwältigend große Zahl der Menschen aus Sorge und Angst um die Zukunft eine weitere Untersuchung auf neue Gaslagerstätten ablehnt. Der Grund für die Ablehnung ist nicht nur die wahrscheinlich eintretenden gesundheitlichen Beeinträchigungen sondern auch die möglichen Beschädigungen der Häuser durch die seismischen Messungen. Weiter macht es wenig Sinn, neue Gasfelder erschließen zu wollen, wenn das Ziel ist, fossile Brennstoffe in naher Zukunft nicht mehr zu fördern.

In seiner Rede vor dem niedersächsischen Landtag vom 22. August 2018 hat der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies die Forderung gestellt, den Klimaschutz als Staatsziel in die Verfassung aufzunehmen und ebenso die Folgen des Klimawandels. “ Wir brauchen vielmehr einen schrittweisen, geregelten und konsequenten Ausstieg aus fossilen Energieträgern sowie einen konsequenten Ausbau der Erneuerbaren.“ So Lies. „Sehr wohl sind wir in der Lage, in dieser Richtung einen wesentlichen Beitrag zu leisten. Der besteht nicht nur darin, CO2 einzusparen, sondern vor allem darin, Lösungen zu definieren und zu liefern, mit denen es uns gelingen kann, die Klimaschutzziele zu erreichen.“

Es müssen Konzepte her. Allerdings nicht erst 2025 oder 2030 sondern jetzt. Das ist keine „Jahrhundertaufgabe“, die Zeit läuft. Wir müssen jetzt handeln! Und dabei geht es nicht nur darum, was  jeder Einzelne tun kann, sondern auch was Politik und Wirtschaft tun müssen. Die Ausweitung der Erdgasförderung kann auf keinen Fall Teil der Lösung sein, im Gegenteil. Sie reduziert den Handlungsdruck. Solange es immer noch fälschlicherweise heißt, Erdgas sei eine grüne Brückentechnologie, werden die notwendigen Konzeptarbeiten und Diskussionen nur mit halber Kraft geführt. Seismische Messungen in 2020, Auswertung in 2021 und dann Vorbereitung der Bohrung bis möglicherweise 2023 oder 2024? Das ist mit Blick auf die Erreichung des Klimaziels die Erderwärmung bis 2030 auf möglichst 1,5°C zu beschränken, nicht zielführend und verantwortungslos.

Deswegen fordern wir  den kompromisslosen, sukzessiven Ausstieg aus der Erdgasförderung und ein konsequentes Vorantreiben des Ausbaus der erneuerbaren Energien. Wollen wir unseren Kindern noch eine Chance auf ein ähnlich friedliches und gutes Leben auf diesem Planeten ermöglichen, dann handeln wir als Gesellschaft, jetzt!

Leider schwindet das Vertrauen  großer Teile der Bevölkerung in den Versprechungen und Worten unserer Politiker. Das beste Beispiel ist der in der Vergangenheit beabsichtige Ausbau des Atommüllagers in der Nähe von Gorleben. Angeblich wäre der dort gelagerte Müll für Jahrtausende sicher untergebracht. Nur ein paar Jahre später wurde festgestellt, dass dort kein sicherer Standort für Atommüll über derart lange Zeiträume vorhanden ist. Nun wird ein neues Lager gesucht. Sollten zwischen dieser Suche und den beabsichtigen Gasuntersuchungen ein Zusammenhang bestehen? Ein Schelm, der Böses dabei denkt.